Auf dem Weg zum Web 3.0
Zugegeben, in Österreich sind wir noch meilenweit von einem Web 2.0 - geschweige den von einem Web 3.0 - entfernt. Zwar kennen die meisten die "üblichen" Verdächtigen per Namen nach: Flickr, YouTube, MySpace ... doch wirklich anfangen können die wenigsten etwas damit. Und während Google, Yahoo etc. ihre Angebote weiterentwickeln und z.B. neue Werbeformen ermöglichen, herrscht in Österreich Dornröschenschlaf...
Eines ist ziemlich sicher: Das Handy wird immer mehr im Mittelpunkt stehen ... Experten sprechen davon, dass es in nicht mehr allzulanger Zeit mehr Mobil-Telefone mit Webzugang geben wird als "normale" Computer. Diese werden fast "automatisch" miteinander vernetzt werden. Und sie ermöglichen einen noch direkteren Zugang auch zu den kleinsten Zielgruppen.
Die Zeitschrift "Medianet" brachte vor kurzen einem Artikel, in dem Experten über die Zukunft des Webs befragt wurden. Ein interessanter Aspekt: Social Communities, Chats, Foren und Blogs oder virtulle Welten wie Second Life werden lt. Expertenmeinung auch in der Zukunft keine größere Rolle spielen als heute.
Die Frage ist aber meiner Meinung nach eher: Warum sollten sie? Sie spielen doch schon heute eine Rolle, die groß genug ist. Auch wenn es die meisten Marketingleute nicht gerne hören: Die Zeit, wo die Meinung des Users irrelevant war, ist längst vorbei. Denn es ist eine Tatsache: Die User kommunizieren miteinander. Und sie stellen ihre Meinungen und Ansichten ins Netz. Und auch wenn - wie oft gesagt wurde - nur 1 % aller User die Möglichkeiten des Web 2.0 nutzen: die restlichen 99 % lesen die Kommentare des einen Prozents.
Kleine Vorschau
Heute habe ich nebenbei eine interessante Demo gefunden. Eine Firma namens "Total Immersion" stellt sich vor, indem es eine Präsentation der Zukunft vorstellt ... Link
Sonys "Home" - ein erfolgreiches Konzept?
Immer wieder verschoben und jetzt für März 2008 angekündigt:
Sonys Version einer virtuellen Welt, das Playstation 3-Projekt
„Home“, soll endgültig auf den Markt kommen … und
Konkurrenten wie Second Life und Co. – wortwörtlich - alt aussehen
lassen. Die Screenshots verheißen einiges: Fast lebensechte Avatare
vergnügen sich in fotorealistischen Umgebungen und laden zu Spiel,
Spaß und Unterhaltung ein.
So weit so gut.
Trotzdem bin ich, soweit ich das Konzept kenne, ein wenig skeptisch. Eine tolle
Grafik ist nicht alles.
Zugeben, was die Grafik betrifft, ist Sonys „Home“ ein Arschtritt
für die meisten virtuellen Welten – allen voran SL. Da kann es jetzt
nur heißen: Die Ärmel hochgekrempelt und ran an die
Grafikmaschine.
Andererseits: „Home“ holt sich seine Daten von einer
Playstation-DVD und nicht aus dem Web. Für diese tolle Grafik muss ich
auch ein – viele würden sagen – sauteures Gerät kaufen.
In SL und Co. kann jeder – gratis! – mitmachen. Hm.
Dazu bietet „Home“ nicht die freien Gestaltungsmöglichkeiten,
die SL und Konsorten ihren Usern anbietet. Ein Teil des Spaßes macht bei
SL eben auch aus, dass ich Gegenstände relativ einfach entwerfen,
entwickeln und integrieren kann. „Home“ erlaubt das –
zumindest sieht es im Moment danach aus – nicht. Zwar kann ich meinen
Avatar z.B. mit neuen Klamotten versorgen … doch diese werden mir in
Shops vorgegeben. Auch sollen die PS3-Avatare unter sich bleiben …
Während die Strategie von Linden Lab (in Zusammenarbeit mit IBM) lautet,
sich zu öffnen und nach dem "One-Avatar"-Prinzip die verschiedenen
Plattformen zu verbinden.
Doch Konkurrenz belebt den Markt. Vielleicht serviert uns Sony ja noch die eine
oder abder andere Überraschung. So soll dort ja auch RealLife-Werbung
möglich sein …
Bietet Second Life tatsächlich ein zweites Leben?
Gestern hatte ich eine Journalisten zu Besuch, die mir gleich am Anfang des
Gespräches erklärte, sie sei SecondLife gegenüber
negativ eingestellt. Auf meine Frage, warum denn, antwortete sie, das erste
Leben sei aufregend genug. Wozu brauche man denn bitte ein zweites Leben?
Hm. Ich frage mich, ob hier nicht eigentlich der Wunsch Vater des Gedankens
gewesen war.
Als ob SecondLife tatsächlich ein zweites Leben bieten würde. Als ob
ich, wenn ich mit meinem ersten Leben unzufrieden wäre, einfach in eine
zweite Haut schlüpfen und dort, auf der anderen Seite der Welt, ein neues
Leben beginnen könnte. Ein Auswanderer, der statt nach Australien zu
ziehen und Schafe zu züchten sich durch ein Fieberglaskabel zwängt
und an der anderen Seite des Bildschirms eine neue Welt betritt, den
einheimischen Bytes virtuelles Land abhandelt und Pixel anpflanzt und
erntet.
Wer anfängt, sein von vielen so genanntes „zweites“ Leben als
eigentliches, reales zu betrachten, hat definitiv ein Problem. Aber ich glaube,
ehrlich gesagt, wer wirklich aus seinem real existierenden Dasein flüchten
möchte und nicht zufällig SecondLife als Fluchtventil findet, findet
ein anderes. Ich zumindest habe z.B. noch keinen Alkoholiker getroffen, der mit
seinem Leben zufrieden gewesen wäre und seinen Alkoholismus aus Jux und
Tollerei betrieben hätte.
SecondLife ist, was es ist: Ein Teil des Internets. So einfach ist das. Mit
einem Unterschied: Ich glaube, dass SecondLife wesentlich mehr
Möglichkeiten bietet als eine „normale“ Homepage. Es kommt
halt darauf an, wie man es nutzt.
SecondLife fördert die Kreativität von Menschen; denn es ist mehr als
nur „ein Chatroom mit 3-D-Avataren“.
Was nicht alles an SecondLife kritisiert wird. Es habe „eine
Grafikperformance wie aus den frühen 90er Jahren“. Es „kostet
Geld“. Und der Betreiber LindenLab könne sein System jederzeit
abdrehen oder an den Höchstbietenden verkaufen … samt der
"Welt-Hoheitsgewalt“.
Hm.
Sobald irgendetwas auf den Markt kommt, dass ein bisserl Erfolg hat, stehen
sofort irgendwelche Gscheiterl auf und sagen: "Das hat’s schon mal
gegeben!", "Schaut ja wie ... aus!“, „Das kostet ja etwas!“
oder „Die haben ja Werbung drin!“ (Dazu kommt auch noch einer
meiner Lieblingsstandardsätze: „He, das ist ist ein Shit! Auf
Apple/Linux würd das nicht passieren!“).
Zugegeben, heutzutage ist man eine durchaus bessere Grafik gewöhnt. Sony
bastelt gerade an einem ähnlichen System namens „Home“ mit
einer wesentlich besseren Grafik. Doch soweit ich die Pressemeldungen kenne,
bietet „Home“ nicht die gleichen gestalterischen Freiheiten wie
SecondLife. Auch kenne ich viele „Konkurrenten“ von SecondLife wie
„ActiveWorld“ oder
„There“ … aber da wäre mir kein gewaltiger
grafischer Unterschied aufgefallen. „WoW“ schaut besser aus, nicht
zu leugnen, aber auch hier finde ich, ist die gestalterische und konzeptionelle
Freiheit eher vernachlässigbar. Geschmäcker und Ohrfeigen sind eben
verschieden.
Doch LindenLab immer wieder auf die Zehen zu steigen und zu sagen:
„Werdet besser“ ist sicherlich kein Fehler.
Dass SecondLife Geld kostet… Ja, wie die meisten Dinge. Nicht
missverstehen, ich bin nicht der Sprecher von LindenLab, doch die meisten
Unternehmungen werden gestartet, um Geld zu verdienen. In meiner Freizeit
schreibe ich Romane, die sogar veröffentlich werden. Ja, ich schreibe sie
auch, um unter anderem damit Geld zu verdienen. No na ned.
Dass LindenLab jederzeit sein System abdrehen oder an den Höchstbietenden
verkaufen kann … ja, klar. So wie jedes Unternehmen. Und selbst wenn sie
verkaufen und der neue Besitzer mir nicht gefällt, dann muss ich dort ja
nicht werben. Es zwingt mich ja auch keiner, Inserate in der Krone zu
schalten.
Ein anderer Journalist schrieb in einem Artikel, Adidas habe in vier Monaten
23.000 virtuelle paar Schuhe verkauft. „Klingt viel, ergibt jedoch
[…] nicht mehr als 4.300 US-Dollar.“ Ja, so kann man’s auch
sehen. Ich vermute mal, die 4.300 Dollar werden Adidas ziemlich wurscht sein;
die gesicherten 23.000 Kundenkontakte schon weniger. Ich kenne Werber, die
würden für so ein Ergebnis morden…
SecondLife polarisiert. Und das ist gut so.
Ich habe vor kurzem eine Homepage gefunden, die sich mit menschlichen
Blähungen beschäftigt; unter anderem kann man sich auch Soundfiles
von diversen Furzvarianten herunterladen. Soll ich jetzt daraus
schließen, dass sich das ganze Internet nur mit heißer Luft
beschäftigt? Zugegeben, ich käme nie auf die Idee, eine Homepage mit
einem solchen Inhalt ins Netz zu stellen, aber offensichtlich tun es andere.
Und offensichtlich finden auch einige Menschen diese Homepage komisch.
Soll sein. Warum nicht.
Kritiker sprechen davon, dass SecondLife eine Luftblase sei.
Als die erste Eisenbahn gebaut wurde, sagten Kritiker, es mache doch keinen
Sinn, sich auf einer festgelegten Strecke fortzubewegen. Das werde sich niemlas
durchsetzen.
Als die ersten Autos gebaut wurden, sagten Kritiker, es werde sich niemals
gegenüber den Pferdekutschen durchsetzen; schließlich seien diese
schneller.
SecondLife ist das, was du daraus machst. Und es steht erst am Anfang.
Rollenspiel SL?
Ich werde immer wieder gefragt, ob Second Life ein Rollenspiel ist. Nun, die Veröffentlichung der neuesten Daten von Linden Lab geben darauf eine eindeutige Antwort:
Männer mit männlichen Avataren: 42%
Frauen mit weiblichen Avataren: 40%
Männer mit weiblichen Avataren: 14%
Frauen mit männlichen Avataren: 4%
Offensichtlich hält man sich auch in SL eher an das Geschlecht, das man in
RL hat. Interessent allerdings wäre es zu wissen, wieviele User sich eines
"nichtmenschlichen" Avatars bedienen. Vielleicht sollte ich dazu unseren
Meisterprogrammierer Alexander Husky befragen, der - Nomen est Omen - als Husky
durch sein zweites Leben läuft.